Europa

Der schmale Grat auf Madeira

Hey Zusammen,

letztes Jahr waren wir ja eine Woche lang auf Madeira und haben uns in diese fantastische Insel auf den ersten Blick – nagut, es war auf den erste Roadtrip über einen Teil der Insel – verliebt. Es war unser erster gemeinsame Urlaub und wir hatten uns viel vorgenommen. Wir wollten die Insel entdecken, mit dem Auto und zufuß. Vor allem auf das Wandern freuten wir uns schon, da wir von den vielen verschiedenen Möglichkeiten auf Madeira gehört und uns bereits bei komoot unsere Favoriten-Touren markiert hatten. Eine davon war der schmale Grat auf Madeira.

Sonnenaufgang bei Ponta de São Lourenço

Für unsere Wandertour beim schmalen Grat machten wir uns bereits ganz früh im Dunkeln auf den Weg Richtung Ponta de São Lourenço, um den Sonnenaufgang an einem der schönsten Foto-Spots auf Madeira zu erleben und zu fotografieren. Das Schöne an Madeira ist ja, dass man mitten in der Nacht aufbrechen kann und trotzdem schon 18 °C herrschen und man nicht zu frieren braucht. Passend vor dem Sonnenaufgang stellte Marcel seine Kamera auf. Wir mussten schon schauen, dass wir noch einen schönen Platz fanden, denn wir waren nicht die einzigen mit der Idee den Sonnenaufgang fotografisch oder auf Video festzuhalten. 😉 Dann wurden ein paar Probeschnapschüsse gemacht und das Warten auf den Sonnenaufgang begann. Marcel war mit seiner Kamera und den besten Einstellungen beschäftigt und ich saß dekorativ daneben. Ich schaute mir das Treiben aller Fotografen rund um uns belustigt an und ärgerte Marcel. Aber was soll ich sagen, dass Warten hatte sich wirklich gelohnt. Der Sonnenaufgang und die Aussicht auf die vulkanischen Felsformationen war ein wirklich einzigartiger Moment. Da wusste ich auch noch nicht, was an dem Tag vor uns liegen sollte…

Start der Tour auf anderen Wegen

Nachdem das Fotoequipment soweit verstaut war und wir unsere Wanderausrüstung umgeschnallt hatten, ging es los auf unserer Tour. Und mal direkt ab vom eigentlich geplanten Weg. 😉 Wir dachten uns, wir nehmen eine Abkürzung. Naja, es das war es jetzt nicht direkt. Hätte es vielleicht sein können, wenn wir denn nicht der Meinung gewesen wären, dass wir auf den ersten nahe gelegenen Berg zu klettern haben, da da doch bestimmt die Aussicht super ist. Also hoch da, wir waren ja noch voll motiviert und begeistert von dem schönen Sonnenaufgang. Oben angekommen machten wir erst einmal Frühstückspause, da wir uns für die eigentliche Wanderung stärken wollten. Ich war ganz begeistert, weil die Strecke von hier aus zumindest einigermaßen einsehbar war. Da dachte ich noch, es wird eine entspannte Tour, weil wir uns immer ungefähr auf der gleichen Höhe befinden werden… Ich hatte nur nicht damit gerechnet, dass die Teile der Strecke, die ich nicht sah, einige Überraschungen für uns parat haben würden. Runter ging es im Kletter-Modus, da es eigentlich keinen Weg gibt und teilweise loses Geröll den Abstiegt abenteuerlich werden ließ. Wer nicht trittfest ist, sollte sich hier bei dem ersten Teil unsere Tour (s.u.) vielleicht eher an die empfohlene Straße halten.

Bis zum schmalen Grat

Nachdem wir wieder auf der geplanten Strecke waren, wanderten wir vor uns hin. Es war noch sehr ruhig und man traf hier und da mal andere Wanderer, aber eigentlich war es sehr entspannt. Dann kam der erste Teil der Strecke in Sicht, den ich noch nicht vorab erspähen konnte. Es ging abwärts, sehr weit und dann wieder hoch. Na super, soviel zu meiner Vorfreude. Aber erstmal war ja alles gut, bergab bin ich ja ganz entspannt. Berghoch allerdings – nun ja, Marcel hatte sich schon mal Einiges anzuhören. 😉 Gott sei Dank kannte er das schon und wusste, dass ich Meckere, um mich zu motivieren und durchzuhalten. Ich hasse bergauf gehen. Steigung ist wirklich mein persönlicher Feind. Das einzig gute und motivierende daran ist, dass man ja meistens eine ganz gute Aussicht hat, wenn man oben angelangt ist. Also Zähne zusammenbeißen und weiter. Wir kamen dann auch recht schnell voran und zum schmalen Grat. Leute, der Teil hat seinen Namen alle Ehre gemacht.

Es war sehr schmal und man ging direkt an der Klippe entlang. Zur Beruhigung und Sicherheit (?) gab es ein schmales Band, was als Geländer (oder sowas) dienen sollte. Aufgefangen hätte das nichts… was uns nur allzu bewusst war. Als wir die schmalste Strecke hinter uns hatten, konnten wir in der Ferne schon die Oase sehen… und den nächsten Teil der von mir noch nicht begutachteten Strecke. Juhu, es ging abwärts und aufwärts. Naaaaaaaa super! Egal, ich wollte zur Oase. Umdrehen gab es nicht. Also auf uns ab den schmalen Grat entlang.

Die Oase von Madeira

Nachdem wir die Strecke des schmalen Grats hinter uns gelassen hatten, kamen wir an die Oase. Leider ist diese im November nicht geöffnet. Trotzdem ist es ein sehr idyllischer Ort und sehr schön, um die Seele und die Füße baumeln zu lassen. Im Frühling und Sommer kann man dort aber etwas erfrischendes Trinken und sich ausruhen. Das sollte man auch tun, denn hier ist man am Ziel der Strecke angekommen. Danach geht es (und Ihr könnt Euch meine Begeisterung vorstellen) den gleichen Weg wieder zurück. Wer noch voll energiegeladen ist, kann auch noch den letzten Berg hinter der Oase erklimmen. Wir haben uns das mal geschenkt, aber von dort hat man sicherlich auch nochmal einen spektakulären Blick auf das Meer und auf Funchal. Den hatten wir auch von der Oase aus, regelmäßig konnten wir auch neu ankommende Flugzeuge betrachten, da wir uns unter der Einflugsschneise von Madeira befanden (was allerdings überraschend wenig störte). Nachdem wir unsere zugegebenermaßen nun schon etwas erschöpften Beine ausgeruht hatten und durch unsere Verpflegung neue Energie getankt hatten, machten wir uns auf den Rückweg.

Wenn es auf dem schmalen Grat voll wird

Hier merkten wir auch, warum uns alle Reiseführer empfohlen hatten, vor 10 Uhr die Tour zu beginnen. Denn nun wurde es voll – und zwar richtig voll! Die Touristen von den Kreuzfahrtschiffen machten sich auf den Weg den schmalen Grat zu Wandern. Und kamen uns natürlich alle entgegen. Da die Möglichkeit sich hier aus dem Weg zu gehen und Platz zu machen sehr begrenzt ist, wurde der Rückweg tatsächlich zu einem Hindernisparcours. Wir kamen nur langsam voran, aber alle Wanderer waren freundlich und verständnisvoll, was wirklich schön war, da die Nerven schon ein wenig strapaziert wurden bei dem ständigen Anhalten, Bauch einziehen, Festhalten und vom Weg abkommen. Immer wieder fanden wir auch ermutigende Worte für bereits völlig erschöpfte Wanderer (vermutlich vom Kreuzfahrtschiff), um die drohende Verzweiflung etwas im Schach zu halten. Auch wir kannten das Gefühl, wenn man den Streckenverlauf sieht und eigentlich nur noch umkehren möchte. Aber dem sollte man nicht nachgeben, denn es lohnt sich den schmalen Grat weiter zu verfolgen.

Ende gut, alles gut

Ganz zum Schluss, als wir den schmalen Grat hinter uns gelassen und das Auto wieder erreicht hatten, ließen wir nochmals den Blick über die Strecke streifen und genossen der Wind, der uns ins Gesicht blies. Wir waren ziemlich fertig, verschwitzt, kaputt, durstig, aber vor allem waren wir stolz. Die Tour war anspruchsvoll, aber wir hatten sie gemeistert!  Wir sind nicht umgeknickt oder von der Klippe gefallen und vor allem haben wir nicht aufgegeben. Der schmale Grat ist eine der bekanntesten und beliebtesten Wanderstrecken auf Madeira und wir verstehen auch wieso. Es ist eine wirklich interessante Erfahrung. Aber man sollte bedenken, dass die Strecke nicht einfach ist und auch die Begebenheiten einen sicheren Tritt, eine gewisse Ausdauer und Kondition, sowie eine geeignete Wanderausrüstung verlangen.

Die übliche Wandertour des schmalen Grats findet Ihr auf komoot. Wenn Ihr auch einen alternativen Start wandern wollt, dann lauft doch gern unsere Strecke nach. Hier findet Ihr unseren Weg der Tour:

Die zwei Reisenden,

Stefanie und Marcel

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